Die Quintessenz
Es gibt keinen inhärenten Grund oder keine Notwendigkeit, dass alle Frauen freiwillig ihr Leben einer Tierfunktion und deren Folgen widmen sollten.

Biographie
Harriet Hardy wurde am 8. Oktober 1807 in Walworth, London, als Tochter des Chirurgen Thomas Hardy und dessen Frau Harriet, geborene Hurst, geboren. Sie erhielt eine exzellente Privatbildung, die ihr frühes Interesse am Schreiben, insbesondere von Gedichten, förderte.
Im Jahr 1826, im Alter von 18 Jahren, heiratete sie den elf Jahre älteren Geschäftsmann John Taylor. Aus der Ehe gingen drei Kinder hervor: Herbert (geb. 1827), Algernon (geb. 1830) und Helen (geb. 1831). Die Familie Taylor engagierte sich in der unitarischen Kirche. Durch deren Leiter, den Theologen und Publizisten William Johnson Fox, lernten sie 1830 den Philosophen John Stuart Mill kennen.
Zwischen Harriet Taylor und John Stuart Mill entwickelte sich rasch eine intensive intellektuelle und emotionale Beziehung. Diese enge Verbindung, die von der viktorianischen Gesellschaft als skandalös angesehen und verurteilt wurde, wurde von ihrem Ehemann John Taylor weitgehend toleriert. Ab 1833 lebte das Ehepaar Taylor getrennt, was die Treffen zwischen Harriet und Mill erleichterte. Ihre Beziehung war geprägt von einer tiefen intellektuellen Verbundenheit und einer fruchtbaren Zusammenarbeit.
Als John Taylor 1849 schwer an Krebs erkrankte, pflegte ihn Harriet bis zu seinem Tod im Juli desselben Jahres. In dieser Zeit kam es zu vorübergehenden Spannungen mit Mill, dem sie vorwarf, sich nicht ausreichend um den kranken John Taylor zu kümmern.
Zwei Jahre nach dem Tod ihres Mannes, im Jahr 1851, heirateten Harriet Taylor und John Stuart Mill. Harriet Taylor Mill litt jedoch seit Längerem an Tuberkulose, einer zur damaligen Zeit nicht wirksam behandelbaren Krankheit. In der Hoffnung auf Linderung durch ein milderes Klima reiste das Paar im Herbst 1858 nach Südfrankreich. Dort starb sie am 3. November 1858 in Avignon an den Folgen ihrer Krankheit.
Philosophie
Harriet Taylor Mills philosophisches Wirken ist untrennbar mit der Begegnung mit John Stuart Mill verbunden. Die genaue Abgrenzung ihres Einflusses auf das Werk Mills ist bis heute Gegenstand wissenschaftlicher Debatten.
Dennoch trat sie auch als eigenständige Denkerin in Erscheinung. Sie veröffentlichte mehrere Essays und 1851 ihr bedeutendstes eigenes Werk, den Aufsatz The Enfranchisement of Women (“Die Gleichberechtigung der Frauen”), in dem sie radikale Forderungen nach politischer und sozialer Gleichstellung formulierte.
Mill selbst betonte wiederholt die intellektuelle Gleichrangigkeit und die Symbiose ihrer Zusammenarbeit. In seiner Autobiographie beschrieb er die Frage nach der Urheberschaft wie folgt:
„Wenn zwei Personen ihre Gedanken und Spekulationen völlig gemeinsam haben, […] und durch gemeinsam verfolgte Prozesse zu ihren Schlussfolgerungen gelangen, ist es im Hinblick auf die Frage der Originalität von geringer Bedeutung, wer von ihnen die Feder in der Hand hält.“
Besonders deutlich wird ihr Einfluss bei dem 1859, kurz nach ihrem Tod, veröffentlichten Werk On Liberty (Über die Freiheit). Mill bezeichnete es in der Einleitung explizit als ein Gemeinschaftswerk und widmete es ihr mit den Worten, es gehöre “ebenso sehr ihr wie mir”.
LS
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